TSV Babensham steigt in die Kreisliga auf. Ein Tag für die Geschichtsbücher und ein Schulterschluss eines ganzen Dorfes
Wir schreiben Freitag, den 05.06.2026 um 21.06. Uhr. Schiedsrichter Rudi Ehmann pfeift nach einer sechsminütigen Nachspielzeit ein Relegationskrimi zwischen dem TSV Babensham und dem TSV Emmering ab und das ganze Dorf rennt auf den Forstinger Fußballplatz. Und jeder weiß, heute ist was Besonderes passiert. Es ist nicht nur der Kreisligaaufstieg als reiner sportlicher Erfolg, denn dieses Kunststück ist bereits in den Jahrzehnten zuvor zweimal geschehen. Es ist die Art und Weise wie ein ganzer Verein und nicht zu Letzt das ganze Dorf an diesem Tag an einem Strang zogen. In der ganzen Rückrunde spürte man bereits, dass in dieser Saison noch Kurioses passieren kann. Nachdem man sich Spieltag um Spieltag mit der Zweitvertretung der Wasserburger Löwen um diesen Relegationsplatz duellierte, war das zuvor Unvorstellbare am letzten Spieltag passend zum traditionellen „Steckerlfischessen“ passiert. Der TSV spielt in nur einem Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Kreisliga. Und nachdem klar war, dass mit dem TSV Emmering der wahrscheinlich attraktivste Gegner auf die Mannen um Babensham Coach Michael Wirth wartete, war jedem klar, dass dieser Freitagabend spektakulär werden könnte. Auch im Umfeld des Vereins spürte man bereits das Feuer. Die Babenshamer Fanzszene „Blaue Meute“ organisierte Fanbusse, Pyrotechnik und studierte Gesänge ein. Die Anmeldungen überschlugen sich und selbst Bürgermeister Martin Kubiczek kündigte sein Erscheinen im Bus an und nicht zuletzt auch als aktiver Mitsänger inmitten der „Blauen Meute“. Die Rahmenbedingungen schienen perfekt und auch eine Vielzahl von Zuschauern strömten ins Forstinger Stadion. Der Andrang war so groß, dass die Partie erst 15 Minuten später angepfiffen werden konnte. Der Stadionsprecher verkündete sage und schreibe 1549 Zuschauer, die zahlreichen Kinder nicht einmal mitgerechnet. Diese Partie stellte somit den Zuschauerrekord im ganzen Fußallkreis Inn/Salzach.
Doch nun zum Spiel. Von Nervosität war auf beiden Seiten jedoch wenig zu spüren und so kamen beide Teams schnell in der Partie. Die relegationserfahrenen Emmeringer hatten im Laufe der ersten Minuten etwas Oberwasser und brachten die „Blau-Weißen“ besonders über die linke Seite ordentlich ins Schwitzen. Nachdem die Elf von Coach Michael Wirth diese stürmische Anfangsphase ohne Schaden überstanden hatte, sorgte Sebastian Freiberger in der 15 Spielminute für den ersten Aufreger. Eine schöne Hereingabe von Jakob Obermayer setzte er an den Pfosten. Von nun an war die Partie ausgeglichen, wenngleich der TSV Babensham weiterhin die besseren Chancen hatte. In der 38. Spielminute rettete für Emmering zum zweiten Mal der Pfosten. Dieses Mal war es Tobias Aimer, der die Kugel nach einer Freistoßflanke an den Pfosten setzte. So blieb es zur Halbzeitpause bei einem torlosen Remis. Nachdem der erste Spielabschnitt taktisch geprägt war, entwickelte sich ab Minute 45 ein wahrer Schlagabtausch. Während aus Sicht von Emmering in der 48. Spielminute zum dritten Mal an diesem Tag das Aluminium rettete, kam postwendend der Babenshamer Nackenschlag. Eine verunglückte Flanke durch Peter Mayr wurde länger und länger, sodass Babenshams Keeper Manu Stadler den Ball nur noch aus den Maschen holen konnte. Eine schmeichelhafte Führung für die Köck-Elf, die jedoch nicht lange Stand hielt. Nur fünf Minuten später vollendete Tobias Aimer eine Flanke per Kopf zum verdienten Ausgleich. Die Antwort von Emmering ließ jedoch wieder nicht lange auf sich warten, der agile Michael Niedermaier brachte die „Grün-Weißen“ abermals in Front. Aus rund 20 Meter fasste er sich ein Herz und zwirbelte die Kugel über Keeper Stadler hinweg ins Tor. Nach dem erneuten Führungstreffer für Emmering wurde die Partie nun härter geführt. Dies hatte zur Folge, dass sich die Kartenbilanz deutlich nach oben bewegte. Insbesondere Emmering war nun deutlich gelb vorbelastet. So war es im Anschluss auch keine große Überraschung, dass Emmering ab der 85. Minute in Unterzahl agieren musste. Der bereits vorverwarnte Georg Schütze sah die Ampelkarte. So änderte sich die Statik des Spiels nochmal deutlich und Babensham drückte auf den Ausgleich. Dieser sollte nicht lange auf sich warten lassen und so war es der eingewechselte Tim Huber, der nach einem abgewehrten Ball im Strafraum zur Stelle war und gekonnt einschob. Die Wirth-Elf wollte sich mit dem Remis nach 90 Minuten nicht zufriedengeben und schaffte noch in der regulären Spielzeit den Siegtreffer. Nach einer Freistoßflanke war es Tobias Aimer, der die Kugel zum umjubelten Treffer über die Linie drückte. Nun waren alle Dämme gebrochen und beinahe das ganze Dorf stand auf dem Platz. Nachdem der Schiedsrichter die sechsminütige Nachspielzeit anzeigte, mussten die Fans den Platz nochmals für eine kurze Zeit räumen. Die Babenshamer Hintermannschaft sollte nur noch eine brenzliche Situation durch Emmerings Christof Kirchlechner überstehen müssen und dann war das Meisterstück endlich geschafft.
Der TSV spielt erstmals seit 15 Jahren wieder im Oberhaus des Fußballkreises. Spieler und Fans lagen sich minutenlang in den Armen und die „Blaue Meute“ sang ohnehin bereits seit zwei Stunden pausenlos durch. Auch Bürgermeister Kubiczek schnappte sich das Megafon und sprach ein paar Worte der Begeisterung. Der Abend hatte etwas Magisches, denn man spürte den Zusammenalt des ganzen Dorfes. Alle zogen an einem Strang und schafften gemeinschaftlich ein „Coup“. Die Feierlichkeiten verlagerten sich zur späteren Stunde dann offiziell zum Gasthof Brunnlechner, in dessen Dachboden es dann ordentlich zur Sache ging. In diesem Sinne ein großes Dankeschön an Maxi Brunnlechner, der die Eventlocation zur Verfügung stellte und für eine rundum gelungene Feier sorgte. Nicht zuletzt ein weiterer Beleg dafür, dass ein ganzer Ort an einem Tag irgendwie näher zusammenrückte und auch über die Gemeindegrenzen hinweg für ordentlich Eindruck sorgte. (ps)








